Aktuelle Ausgabe
Februar 2012:
Das tier und wir
Welches Tier wäre ich, wenn ich ein Tier wäre? Was sagt das Tier in mir? Was unterscheidet mich von ihm? Und was fände ein Tier an mir zu loben? – Was in den Köpfen der Tiere vor sich geht, fragen wir uns, seit sie sich von uns unterscheiden. Seither entreissen wir sie ihrem natürlichen Lebensraum und nehmen sie in Anspruch. Unterdessen hält man sich Sibirische Huskys auch ausserhalb der Schneelandschaft oder Echsen und Schlangen in künstlichen Tropen im Wohnzimmer.
Verwirrend vielfältige Beziehungen bestehen zwi- schen Mensch und Tier im Alltag. Wir lieben unsere Haustiere und lassen sie es fühlen. Zu den Tieren in der freien Wildbahn haben wir eine sentimentale Fern- oder Nichtbeziehung. Zu den Tieren als Fabrikware unserer Märkte verhalten wir uns brutal und verspeisen sie. Nutztiere lassen wir für uns schuften. Und in den Künsten reflektieren wir unsere Beziehung zu ihnen. Historisch gewachsen und ständig im Wandel und kaum naturgegeben, werden die Mensch-Tier-Verhältnisse immer wieder neu produziert und reproduziert. So war es noch vor Jahrzehnten kaum denkbar, mit der Katze zur Dentalhygiene zu gehen. Interessant sind deshalb die Fragen, wie sich der Blick auf das Tier verändert und in welcher Weise es zur Darstellung kommt in der Kunst, im Naturmuseum oder etwa im Zoo. Unterschiedliche Disziplinen eröffnen dabei unterschiedliche Perspektiven. Neue Er- kenntnisse ergeben sich, wenn die Grenzen von Disziplinen überschritten und ein «transdisziplinärer» Blick gewagt wird.
Inwiefern können sich künstlerische Disziplinen gegenseitig inspirieren? Ist ein Dialog zwischen den Künsten und den naturwissenschaftlichen oder tech- nischen Disziplinen möglich? Fragen dieser Art sind in letzter Zeit vermehrt ins Interesse der Kunsthoch- schulen getreten und haben Institute mit spezifisch transdisziplinär ausgerichteten Aktivitäten entstehen lassen.
Soll es nun transdisziplinär oder interdiszipliniär sein? Interdisziplinarität wird als eine Art Koope- ration zwischen verschiedenen ähnlichen Disziplinen verstanden, während Transdisziplinarität auch die übergreifende Kritik und Reflexion wissenschaftlichen Arbeitens betont. Das bedeutet, thematisch und methodisch über die Grenzen der eigenen Disziplin hinauszugehen, sich dabei aber stets der eigenen Verortung bewusst zu sein. Das verlangt eine (selbst-)kritische Reflexion über die Potenziale und Grenzen der eigenen sowie anderer Disziplin(en).
Tier sei Dank.
Andrina Jörg, Madeleine Rey, Redaktion
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